Wildbienen

Steckbrief Wildbienen

In Österreich sind knapp 700 Wildbienenarten bekannt, weltweit sind es sogar bis zu 30.000 Arten. Sie gehören zur Ordnung der Hautflügler und sind mit den Wespen verwandt.
Die kleinsten Wildbienen sind nur wenige Millimeter groß, während die größten heimischen Wildbienen, die Holzbienen, bis zu 3 cm groß werden können. Sie zählen damit zu den größten heimischen Insekten.
Anders als Honigbienen sind die meisten Wildbienen nicht staatenbildend, sondern leben einzeln. Eine Ausnahme stellen Hummeln dar, die in Völkern mit bis zu 600 Tieren leben.
Wildbienenweibchen haben einen Stachel und können auch stechen, das tun sie allerdings nur in ärgster Bedrängnis. Der Stich ist nicht so schmerzhaft wie der einer Honigbiene und viele kleinere Arten sind nicht in der Lage die menschliche Haut zu durchdringen. Während Honigbienen nur einmal stechen können, weil nach dem Stich der Stachel aus dem Körper gerissen wird, können Wildbienen mehrmals stechen.

Wildbienen – einzelgängerisch bis sozial

Der Großteil der heimischen Wildbienenarten lebt einzeln. Jedes Weibchen sucht sich einen geeigneten Nistplatz in sandigem Boden, zwischen Steinen, in Totholz oder hohlen Pflanzenstängeln oder sogar in verlassenen Schneckenhäusern. Dort baut es mehrere Brutkammern, die mit Pollen zur Ernährung der Larven gefüllt werden. Nachdem die Brutröhre verschlossen wurde, kümmert sich das Weibchen nicht mehr um den Nachwuchs.
Nur die etwa 40 heimischen Hummelarten – die auch zu den Wildbienen zählen – sowie einige wenige weitere Arten sind sozial lebend. Wie Honig¬bienen leben sie in Staaten mit Arbeitsteilung und Brutpflege. Allerdings finden sich bei Hummeln, je nach Art, nur maximal 500 Tiere, bei anderen sozialen Wildbienen nur bis zu ein paar Dutzend Tiere in einem Nest.
Ungefähr ein Viertel der Wildbienenarten sind Brutparasiten, die keine eigenen Nester bauen, sondern ihre Eier in die Nester anderer Arten legen, wo ihre Larven vom Larven¬proviant der Wirtsbiene leben (Kuckucksbienen) oder von Arbeiterinnen der Wirtshummelart aufgezogen werden (Kuckuckshummeln).

Was Wildbienen zum Überleben brauchen

Blühende Landschaften – Nahrung für Wildbienen

Wildbienen und auch Honigbienen brauchen zum Überleben vor allem eines: Blüten. Während aber Honigbienen verschiedenste Blüten als Pollenquelle annehmen, sind viele Wildbienen sehr wählerisch. Etwa 10% der fast 700 heimischen Wildbienenarten sind hoch spezialisiert und bei der Versorgung ihrer Nachkommen auf Pollen einer einzigen Pflanzengattung angewiesen. So benötigen zum Beispiel mehrere Wildbienenarten ausschließlich den Natternkopf (Gattung Echium) als Pollenquelle.
Weitere 37 % der Arten benötigen zum Überleben Blüten einer bestimmten Pflanzenfamilie, also z.B. Blüten aus der Familie der Rosengewächse (Familie Rosaceae: Apfel, Kirsche, Schlehdorn, Brombeeren, Fingerkräuter, usw.). Die Auswahl an Nahrungspflanzen für diese Arten ist daher schon etwas größer.
Aufgrund dieser Spezialisierung wird auch deutlich, warum es so wichtig ist, dass viele verschiedene Blütenpflanzen für Wildbienen zur Verfügung stehen. Nur ein artenreiches Blühangebot kann zahlreiche Wildbienenarten mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen ernähren und ihr Überleben sichern.

Pflanzenfamilie Beispiele
Korbblütler (Asteraceae) Ringelblume, Löwenzahn, Kornblume, Kamille, Wegwarte, Flockenblume, Färberdistel, Schafgarbe, Rainfarn
Hülsenfrüchtler (Fabaceae) alle Kleearten (bes. Hornklee, Esparsette), Wicken, Linsen, Erbsen, Ackerbohnen
Kreuzblütler (Brassicaceae) Ackersenf, Gelbsenf, Markstammkohl, Rauken, Leindotter, Kressen
Lippenblütler (Lamiaceae) Salbei, Dost, Lavendel, Thymian, Taubnessel, Ziest, Helmkräuter, Günsel
Doldenblütler (Apiaceae) Wilde Möhre, Pastinak, Dill, Koriander, Schierling, Kümmel, Girsch
Raublattgewächse (Boraginaceae) Phacelie, Natternkopf, Borretsch, Beinwell, Lungenkraut
Malvengewächse (Malvaceae) Futtermalve, Moschusmalve,

Eine Blühstreifenmischung, die optimal für die Förderung von Wildbienen geeignet ist, muss daher möglichst artenreich sein. Die Pflanzenarten müssen aus möglichst vielen Pflanzenfamilien stammen – also z.B. nicht nur Kleearten – nur so können auch die Nahrungsspezialisten versorgt werden. Wildbienen benötigen eine große Menge Pollen zur Versorgung ihrer Nachkommen, die erwachsenen Bienen ernähren sich vorwiegend von Nektar.
Detaillierte Informationen zu einzelnen Pflanzen finden Sie in der Broschüre "Die 55 wichtigsten Blühstreifenpflanzen".

Nicht nur krautige Pflanzen, sondern auch blühende Sträucher und Bäume sind eine wichtige Pollenquelle für Wild- und Honigbienen. Hecken, Streuobstwiesen, Waldränder oder auch Hausgärten spielen dabei ebenfalls eine große Rolle.
Für verschiedenste Wildbienenarten wichtige Bäume und Sträucher sind unter anderen: Steinobstarten, Himbeere, Brombeere, Johannisbeere, Weiden, Hartriegelarten (z.B. Kornellkirsche), Spindelstrauch, Weißdorn oder Schwarzdorn (Schlehen).

Weil die verschiedenen Wildbienenarten zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr vorkommen, muss in unserer Agrarlandschaft vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst ein ausreichendes Blühangebot vorhanden sein. Gerade im Sommer kommt daher blühenden Zwischenfrüchten auf den Äckern eine große Bedeutung bei der Versorgung der Bienen zu.

Nistplätze für Wildbienen

Wildbienen brauchen zum Überleben aber nicht nur Blüten zur Ernährung. Ebenso wichtig sind geeignete Orte für den Nestbau und die Eiablage.
Die Hälfte aller Wildbienenarten legt ihre Eier in selbst gegrabene Gänge im Boden. Neben sandigen, offenen Bodenstellen können die Brutröhren von manchen Arten auch in vertrockneten Pflanzenstängeln angelegt werden. In diesen Brutröhren befinden sich mehrere Brutzellen, die durch Zwischenwände voneinander getrennt sind. Diese Trennwände können aus Erde, zerkauten Blättern oder Holzstückchen bestehen. In jede Brutzelle wird ein Ei gelegt und sie wird mit Pollen gefüllt, um die Ernährung der heranwachsenden Larve zu sichern. In den Brutröhren liegen etwa 5-6 Brutzellen hintereinander. Die jungen Bienen verlassen das Nest erst im darauffolgenden Jahr, sie überwintern darin als Larven oder Puppen. Morsches Holz, Spalten in Steinmauern oder sogar verlassene Schneckenhäuser sind ebenfalls geeignete Stellen für den Nestbau. Ein Viertel der Wildbienen baut gar keine eigenen Nester. Diese sogenannten „Kuckucksbienen“ legen ihre Eier in die Nester anderer Wildbienen, während diese gerade wieder auf der Suche nach Pollen sind.

Geeignete Nistplätze für Wildbienen dürfen nicht zu weit von den Pollenquellen entfernt sein. Um eine einzige Brutzelle mit Pollen zu befüllen müssen Wildbienen bis zu 50 mal zwischen ihrem Nest und den Blüten hin und her fliegen. Wenn die Entfernungen dabei zu groß sind, kann die Fortpflanzungsleistung der Bienen stark reduziert werden. Der Aufwand zur Versorgung der Nester wird mit zunehmender Entfernung immer größer und es werden weniger Nachkommen produziert. Außerdem wurde festgestellt, dass die lange Abwesenheit der Weibchen dazu führt, dass die offenen Brutzellen häufiger parasitiert werden.
Für die meisten Wildbienen gilt, dass die maximale Entfernung zwischen Nest und Nahrungsquelle nicht mehr als 300 Meter betragen soll. Das bedeutet, dass alles was Wildbienen zum Überleben brauchen - Hecken, Blühflächen, sandige Stellen, Totholz, Steinhaufen - gleichmäßig über die Landschaft verteilt sein muss.